New Work gilt vielen als ein Konzept mit dem ein neues Kapitel der Arbeitswelt aufgeschlagen werden kann. In einem aktuellen Interview mit spiegel-online erklärt einer der Apostel der Bewegung, Frédéric Laloux, was das Konzept bedeutet.

“Man kann […] Impulse setzen und den lebendigen Organismus, also die Mitarbeiter, aufs Abenteuer einladen. Wenn die Richtung Sinn macht und alle ausprobieren und mitarbeiten dürfen, wie sie wirklich wollen, kommen wunderbare Dinge dabei heraus.” (Frédéric Laloux, spiegel-online 27.03.2019)

ein hierarchiearmes Unternehmen, in dem alle gehört werden und sich die KollegInnen selbst organisieren. Das ist, stark reduziert, die Vision hinter “New Work”. Ähnlich anderen aktuellen Arbeitsformen (z.B. Scrum) wird auch hier viel Verantwortung an die ArbeitnehmerInnen gegeben und vor allem der Wegfall des mittleren Managements gefeiert. Doch was im ersten Moment nach mehr Freiheit und dem Ende der starren Hierarchien klingt, birgt auch einige Risiken. Wird die gestiegene Verantwortung auch entsprechend vergütet? Welche Haftungsfragen kommen ohne Hierarchien auf die KollegInnen zu? Und die vielleicht wichtigste Frage: Ersetzt “Mitreden” wirkliche Mitbestimmung?

Laloux nennt ein, in seinen Augen erfolgreiches, Praxisbeispiel:

“Der Gründer der niederländischen Pflegeorganisation Buurtzorg hingegen schreibt von seinem Sofa aus Blogbeiträge, in denen er alle 14.000 Mitarbeiter direkt nach ihrer Meinung fragt. Innerhalb von 24 Stunden haben sich die meisten das angeschaut und viele haben seine Idee kommentiert. Ein oder zwei Tage später zieht er seine Schlüsse und fällt eine Entscheidung.” (Frédéric Laloux, spiegel-online 27.03.2019)

Hier wird deutlich: Von Mitbestimmung kann bei Buurtzorg keine Rede sein. Der Gründer entscheidet alleine und nur auf Basis verschiedener Onlinekommentare. Sicherlich ist es nur gut, wenn die Geschäftsführung auch bei großen Unternehmen immer auch die Stimmen der KollegInnen hört, aber betriebliche Mitbestimmung geht eben doch weit über das Verfassen kurzer Statusmeldungen und Kommentare hinaus. Auch wenn New Work ein Hype ist, der Freiheit und Selbstbestimmung verspricht, bereits erkämpfte Mitbestimmungsrechte gehen bereits viel weiter und sollten daher besonders gesichert und ausgebaut werden.

Das ganze Interview mit Frédéric Laloux gibt es bei spiegel-online.de

 

 

unsplash-logoCarl Heyerdahl